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Projekt 02 — Embedded & Software · Privatprojekt

Gamepad Bridge

Xbox-Controller statt Handy-App für ein LEGO®-Technic™-Auto · privat · 2026

Das Auto meines Sohnes ließ sich nur aus einer Handy-App fahren: kein Gefühl im Gas, keine proportionale Lenkung, Tasten auf Glas. Ein ESP32-C3 hängt sich jetzt als Funkbrücke dazwischen und übersetzt einen Xbox-Controller in das Protokoll des Fahrzeugs. Am Auto selbst wird nichts verändert. Quelloffen unter MIT-Lizenz.

Draufsicht auf einen Schreibtisch: links ein schwarzer Xbox-Controller, in der Mitte eine daumennagelgroße ESP32-C3-Platine, rechts das LEGO-Technic-Auto von oben.
ABB. 01Drei Geräte, zwei Funkstrecken. Der Baustein in der Mitte ist die gesamte Änderung — am Auto rechts bleibt alles, wie es war.
Art
Privatprojekt
kein Kundenauftrag
Rolle
Allein
Konzept · Firmware · Messung
Zeitraum
2026
Urlaubsprojekt
Disziplinen
Embedded · BLE
Reverse Engineering · UX
In eigener
Sache

Das hier ist kein Kundenprojekt.

Es ist im Urlaub entstanden, aus einem privaten Ärgernis heraus, für meine Kinder und ein Spielzeug in unserem Wohnzimmer. Kein Auftraggeber, kein Budget, keine Freigabe, die ich einholen musste — und entsprechend keine Zeile davon, die ich als Referenz für bezahlte Arbeit ausgeben würde.

Es steht trotzdem hier, weil an einem Projekt ohne Auftraggeber etwas sichtbar wird, das ein Kundenprojekt nie zeigt: wie jemand vorgeht, wenn er von der Sache noch nichts versteht. Ich hatte vor diesem Projekt nie Firmware geschrieben. Was Sie hier lesen, ist deshalb weniger eine Leistungsschau als ein offengelegter Arbeitsweg — mitsamt der Abende, an denen er in die falsche Richtung führte.

Firmware, Smoketest und die Protokollnotizen liegen vollständig offen auf GitHub, unter MIT-Lizenz. Wer dasselbe Modell besitzt, muss das Messen nicht wiederholen.

Ausgangslage

Eine App, die man nicht fühlt.

Das Fahrzeug ist ein LEGO®-Technic™-Modell mit einem Move Hub — einem Baustein, der Motoren, Lenkung, Licht und Akku in sich vereint und ausschließlich per Bluetooth angesprochen wird. Vorgesehen ist dafür genau ein Bedienweg: die hauseigene Handy-App.

Für eine Vorführung reicht die. Zum Fahren taugt sie nicht, und der Grund ist keine Geschmacksfrage. Ein Trigger hat einen Weg und eine Feder. Man spürt, wie weit man gedrückt hat, ohne hinzusehen, und die Hand korrigiert, bevor der Kopf es merkt. Eine Fläche aus Glas hat davon nichts: kein Weg, kein Widerstand, keine Rückmeldung. Man lenkt, indem man den Daumen über etwas schiebt, das nicht zurückdrückt — und schaut dabei aufs Telefon statt aufs Auto.

Dazu kam der Grund, der den Ausschlag gab: die App braucht ein Smartphone. Meine Kinder haben keins. Das Auto fuhr also nur, wenn ein Erwachsener danebenstand und das Telefon hielt. Ein Controller dagegen liegt bei uns ohnehin herum, und wie man ihn hält, weiß hier jeder.

Die Randbedingung

Am Fahrzeug darf sich nichts ändern. Es gehört meinem Sohn, und die App muss danach weiter funktionieren — Akku, Motoren und Hub bleiben unangetastet, es wird nichts aufgetrennt und nichts eingelötet. Damit war die Bauform der Lösung schon entschieden, bevor die erste Zeile stand: Sie muss in den Funkweg, nicht ins Auto.

Übrig blieb ein kleiner Mikrocontroller, der zwei Bluetooth-Verbindungen gleichzeitig hält — eine zum Controller, eine zum Fahrzeug — und zwischen beiden übersetzt. Er muss nirgends eingebaut werden; beide Beine sind Funk. Er liegt einfach dazwischen.

Nahaufnahme der ESP32-C3-Platine mit USB-C-Buchse auf dem Schreibtisch, dahinter unscharf der Xbox-Controller und das Fahrzeug.
ABB. 02Die Brücke in Originalgröße, zwischen Controller und Fahrzeug. Eingebaut wird sie nirgends — sie hängt an einem USB-Kabel und liegt einfach dazwischen.
EINGANGXbox-Controller
BLE 5.0Funkstrecke
BRÜCKEESP32-C3
BLEFunkstrecke
AUSGANGMove Hub
SIGNALWEGDie Brücke ist an beiden Enden Client. Sie stellt sich zwischen zwei Geräte, die füreinander nie vorgesehen waren, und spricht mit jedem in dessen eigener Sprache.
Der Einstieg

Die KI liefert das Tempo. Den Zweifel liefere ich.

Ich bin Maschinenbauer. Vor diesem Projekt hatte ich nie Firmware geschrieben, nie einen Bluetooth-Stack angefasst und kein einziges Byte des LEGO Wireless Protocol gelesen. Der Code ist mit Unterstützung eines KI-Assistenten entstanden, und das ist keine Fußnote, sondern die Methode: ich beschreibe, was passieren muss und warum; der Assistent schreibt den Code und erklärt den Mechanismus; ich prüfe beides am realen Auto.

Diese dritte Stufe ist die entscheidende. Ein Sprachmodell klingt genauso überzeugt, wenn es irrt, wie wenn es recht hat — es hat keinen Zugriff auf das Fahrzeug und kann deshalb nicht wissen, ob es stimmt. Jede Aussage über das Protokoll in diesem Projekt ist am Auto gemessen, nicht hergeleitet; wo etwas nicht messbar war, steht das ausdrücklich dabei statt einer Vermutung. Fünf der Messungen widersprechen der vorhandenen Dokumentation, drei davon stehen weiter unten.

So verschiebt sich die Arbeit, aber sie verschwindet nicht. Was ein Sprachmodell an Wochen erspart, gewinnt man nur, wenn man die gesparte Zeit ins Prüfen steckt — sonst hat man in derselben Woche viermal so viel Code, der nicht funktioniert, und keine Idee, warum.

Und die ehrliche Kehrseite: Das ist Hobby-Code. Er läuft auf meinem Aufbau, jeden Tag, und meine Kinder fahren damit. Ich behaupte nicht, dass er fehlerfrei ist — im Repository steht derselbe Satz, in der ersten Person und vor allem anderen.

Kern-
entscheidungen

Dreimal sagte die Doku etwas anderes als das Auto.

01 Protokoll
Messung

Die Tabelle sagt Lichtmodus.
Das Bit ist die Bremse.

Der Befehl, der Antrieb und Lenkung gemeinsam ansteuert, endet auf ein Byte, das in der verbreiteten Dokumentation als „Lichtmodus“ mit vier Werten beschrieben ist. Wer sich daran hält, bekommt ein Fahrzeug, das überhaupt nicht fährt — und beim Rückwärtsfahren nicht einmal eine Fehlermeldung, sondern schlicht Stillstand.

Gemessen ist es etwas anderes: Bit 0 dieses Bytes ist die Bremse. Dass dabei das Bremslicht angeht, ist die sichtbare Folge — und vermutlich der Grund, warum jemand es einmal als Lichtfunktion notiert hat. Rückwärts scheitert deshalb lautlos: Die Bremse gewinnt gegen eine negative Geschwindigkeit.

Der übertragbare Teil steckt nicht im Byte, sondern in der Art des Fehlers. Eine Lücke in einer Dokumentation schickt einen zum Messgerät. Eine falsche Beschriftung schickt einen an die falsche Stelle — und man sucht dort mit voller Überzeugung weiter, weil man den fraglichen Punkt ja schon abgehakt hat. Das ist teurer als gar keine Unterlage.

02 Sicherheit
Failsafe

Kein Timeout. Ein Controller,
bei dem alles stimmt, schweigt.

Die naheliegende Absicherung einer Funkstrecke ist eine Zeitüberwachung: Kommt eine gewisse Zeit lang nichts mehr an, wird angehalten. Sie ist einfach, sie ist verbreitet — und sie hätte hier genau das Gegenteil bewirkt.

Denn der Controller meldet nur Änderungen. Ein verbundener Controller, der ruhig liegt, erzeugte in der Messung 0 Meldungen pro Sekunde. Und Vollgas gegen den Anschlag ist ein konstanter Wert: Ein Fahrzeug mit durchgedrücktem Gas erzeugt exakt so viel Funkverkehr wie ein stehendes — nämlich keinen. Eine Zeitüberwachung hätte also genau in der Situation abgeschaltet, für die es sie gibt.

Verlässlich ist damit nur ein einziges Signal: die Funkverbindung selbst. Deren Überwachungszeit bestimmt, wie lange das Auto nach einem Ausfall des Controllers noch unbeaufsichtigt weiterfährt — und die ließ sich messen und verkürzen.

Abbruch erkannt · Werkseinstellung
2610ms
zweiter Lauf: 3180 ms — beides deutlich zu lang für ein Fahrzeug in Bewegung
Nach angepassten Verbindungsparametern
963ms
am Fahrzeug gemessen, nicht aus dem Datenblatt gerechnet
Reaktion
Halten
Der entschärfte Zustand bremst und hält, statt auszurollen

Dass „aus“ hier festhalten heißt und nicht ausrollen, ist eine bewusste Entscheidung und wichtiger als die Millisekunden. Ein Funkabriss lässt das Auto damit stehen, statt es weiterrollen zu lassen. Dazu zwei Regeln, die nichts kosten und alles ändern, wenn Kinder das Ding fahren: Nach dem Einschalten ist die Brücke immer entschärft, und scharfschalten lässt sie sich nur bei losgelassenen Triggern. Das Fahrzeug fährt nie von selbst los.

03 Ursache
Kontrollierter
Versuch

Ein Abend, vier Theorien,
ein Versuch.

Angefangen hat es mit einer Idee, die gar nicht auf der Liste stand: Das Auto sollte merken, wenn es gegen etwas fährt. Der Hub hat einen Beschleunigungssensor, der zugehörige Anschluss ist dokumentiert, und die Werte waren sauber — normale Fahrt schwankt zwischen 255 und 530 milli-g, echte Einschläge lagen bei 2361 und 2655. Die Crash-Erkennung war fertig.

Und dann fuhr das Auto ein paar Minuten und war tot. Status-Leuchte aus, Fahrzeugbeleuchtung weiter an, Funkverbindung weg, und erst ein Aus- und Einschalten holte es zurück. Von außen sieht das aus wie ein Funkproblem. Also sucht man am Funk.

An einem Abend kamen vier Erklärungen zusammen, und jede war gut begründbar: das Funkband zu voll, der Akku am Ende, zu viel Datenverkehr für die Beleuchtung, die Lenkung am mechanischen Anschlag. Alle vier ließen sich plausibel erzählen. Alle vier waren falsch — die mitlaufenden Zähler haben sie nacheinander widerlegt.

Entschieden hat es am Ende nicht das beste Argument, sondern der eine Versuch, der die Erklärungen voneinander trennt: dieselbe Fahrt einmal mit abgeschaltetem Sensor-Abonnement, einmal mit eingeschaltetem. Ohne läuft sie durch. Mit stirbt sie. Der betreffende Port ist dokumentiert, das Abonnement wird angenommen, die Werte sind sauber — und er bringt den Hub zum Absturz. Eine Überlastung ist es nicht: 299 Meldungen in 625 Sekunden, deutlich unter einer pro Sekunde.

Symptom und Ursache lagen an völlig verschiedenen Stellen. Das Funkbild war echt, nur war der Funk nicht schuld. Da kommt man durch Nachdenken nicht hin — man kommt hin, indem man einen Versuch baut, in dem sich genau eine Sache unterscheidet. Vier überzeugende Theorien sind keine Erkenntnis. Sie sind vier Kandidaten für dasselbe Experiment.

Die Crash-Erkennung ist damit wieder draußen und bleibt es. Sie ist nicht das Einzige in diesem Projekt, das nicht an mir gescheitert ist, sondern an der Hardware — der Überschwinger beim Beschleunigen gehört auch dazu. Und der Weg dorthin hat mehr gebracht als die Funktion je gebracht hätte.

Was daraus in die Firmware wanderte

Die Brücke schreibt seitdem die letzten Befehle vor einem Abriss in den Flash-Speicher. Nicht weil das schön wäre, sondern weil der Moment des Versagens nie der Moment ist, in dem jemand auf die Konsole schaut. Die Fähigkeit zu beobachten muss vorher da sein, sonst beginnt jede Fehlersuche mit dem Versuch, den Fehler noch einmal zu erzeugen.

Weglassen

Vier Funktionen, die funktionierten — und wieder verschwanden.

Der Hub hat einen eigenen Geschwindigkeitsregler. Alles, was die Brücke zusätzlich glättet, regelt oder umrechnet, macht Arbeit doppelt — und zwei Regler in Reihe sind kein doppelt guter Regler, sondern ein schlechter. Vier Funktionen waren gebaut, gemessen und sind wieder geflogen.

01

Direkte Motorbefehle

Der Hub regelt dieselben Anschlüsse weiter, während man sie direkt bestromt — die beiden streiten sich. Die Motoren stottern hörbar, und auf der 25-Prozent-Stufe ist das Auto damit sogar langsamer als ohne. Bei Vollgas ist der Unterschied kaum noch da. Aufwand gegen null Ertrag.

02

Umkehr der Drehrichtung

Gebraucht wurde sie nur von den direkten Motorbefehlen. Der gemeinsame Fahrbefehl sortiert intern selbst, herum welche Seite läuft. Mit dem einen Feature fiel das andere weg — das ist der Normalfall, nicht die Ausnahme.

03

Eine eigene Beschleunigungsrampe

Zusätzlich zu der, die der Hub ohnehin fährt. Zwei Rampen hintereinander ergaben einen sichtbar zweistufigen Anzug und eine Verzögerung beim Loslassen. Sichtbar, sobald man es einmal nebeneinander fährt — unsichtbar, solange man es nur denkt.

04

Eine Rampe auf den Sollwert

Die letzte, die ging, und die verlockendste zum Wiedereinbauen. Sie hielt den Regler des Hubs davon ab, beim Anfahren einen großen Fehler zu sehen, und die niedrigen Stufen zogen dadurch tatsächlich sanfter an. Sie legte aber auch eine Verzögerung zwischen Trigger und Auto.

Die glattere Kurve war das schlechtere Fahrgefühl. Auf der Straße fährt sich eine harte Beschleunigung besser als eine, die erst nachdenkt. Das sieht man keinem Diagramm an; man merkt es in der Hand. Genau dafür baut man Prototypen. Und sicherheitstechnisch fällt dieselbe Entscheidung genauso aus: Ein verlorener Controller darf nicht über eine halbe Sekunde ausschleichen.

Nicht
geplant

Sechs Lampen. Vorgesehen sind vier.

Das Ziel war die Bedienung. Was dabei nebenbei auffiel, wurde am Ende der Teil, der am meisten Spaß gemacht hat.

Der Hub hat sechs Lichtausgänge, ringförmig um seine Mitte angeordnet. Das Modell nutzt vier davon — zu den anderen beiden führt kein Lichtleiter, am Auto ist von ihnen nichts zu sehen. Die App kennt sie nicht, und dass sich die sechs überhaupt einzeln ansteuern lassen, stand in keiner Unterlage, die ich gefunden habe.

Sie lassen sich einzeln ansteuern. Zwei Bytes genügen: eine Bitmaske, welche Lampe gemeint ist, und eine Helligkeit. Zwei Fallen stecken darin — die Maske schaltet nur ein, was gesetzt ist, und nichts aus, und der Hub setzt die Lampen von sich aus nie zurück. Wer das übersieht, hat nach zehn Minuten ein Auto, das überall gleichzeitig leuchtet.

Damit war plötzlich eine Menge möglich, die nie auf dem Zettel stand:

01

Ein Licht, das um das Auto wandert

Der rechte Stick zeigt in eine Richtung, und das Licht wandert im Ring dorthin mit — übergeblendet, damit es gleitet statt zu springen. Nutzlos, und das Erste, was jeder ausprobiert, der den Controller in die Hand bekommt.

02

Blinker, die sich selbst zurückstellen

Steuerkreuz links oder rechts, und nach der Kurve gehen sie von allein wieder aus — so, wie man es aus einem echten Auto kennt und wie es bei einem Modell niemand erwartet.

03

Eine Ladeanzeige, die es sonst nicht gäbe

Wer ohne Telefon fährt, hat auch keine Akkuanzeige mehr — und merkt erst, dass der Akku leer ist, wenn das Auto stehen bleibt. Auf Knopfdruck läuft der Ladestand jetzt als Füllstand einmal um den Lichtring: halb voll heißt halber Ring.

Ob geladen wird, meldet das Protokoll nirgends. Aber ein Ladestand, der steigt, kann nur eines bedeuten. Dafür braucht es einen ganzen Prozentpunkt, also merkt sich die Brücke den Stand im Flash — sonst wäre die Anzeige nach jedem Neustart minutenlang blind, während das Auto am Kabel hängt.

Der Umbau

Bleiben die zwei Ausgänge, die am Modell nirgendwohin führen. In der Firmware sind sie längst belegt — mit seitlichen Blinkern, die dieses Modell ab Werk nie hatte. Was fehlt, ist Bauarbeit: flexible Lichtleiter von den beiden Ausgängen an die Flanken. Die Teile dafür sind bestellt. Aus vier Lichtpunkten am Modell werden dann sechs.

Das war der schönste Teil des ganzen Projekts — mehr als das Bauen, mehr als das Fahren. Nicht weil es schwer gewesen wäre, sondern weil niemand danach gefragt hatte. Solche Sachen findet man nicht, indem man eine Anforderungsliste abarbeitet. Man findet sie, weil man ohnehin gerade in einem System nachsieht, das man verstehen muss.

Das Neben-
produkt

Man sieht erst, was man sucht, wenn man es sucht.

Bevor überhaupt etwas fahren konnte, musste das Auto fahrbereit sein — und das war es nicht. Es lag in Einzelteilen in seiner Schachtel, so wie Modelle bei Kindern eben irgendwann zurückkommen. Ich habe es also noch einmal gebaut, mit der Anleitung meines Sohnes: ein paar Stunden, verteilt auf zwei Urlaubstage.

Blick von oben in einen Karton mit mehreren hundert LEGO-Technic-Teilen in Blau, Schwarz, Rot und Gelb.
ABB. 05Der Ausgangszustand: ein paar hundert Teile, eine Anleitung, zwei Tage Zeit.
Das Wühlen

Wer schon einmal LEGO gebaut hat, kennt den Ablauf: Schritt lesen, Form merken, wühlen. Und dabei passiert etwas, das mir vorher nie aufgefallen war. Man wühlt durch alle Teile — und dabei hundertmal hintereinander durch genau das Teil, das man später erst brauchen wird. Es liegt direkt vor einem, es ist scharf, das Auge sieht es. Wahrgenommen wird es nicht. Es verschwimmt mit dem Hintergrund.

Schreibtisch mit aufgeschlagener Bauanleitung, einzelnen Bauteilen und dem halb fertigen Chassis des Fahrzeugs.
ABB. 06Anleitung, Chassis, die Teile für den nächsten Schritt — herausgesucht aus dem Karton weiter oben.

Dann kam der Schritt mit dem Teil, das ich noch nie gesehen hatte — und das ich an diesem Tag schon hundertmal zwischen den Fingern gehabt hatte, ohne es zu wissen. Eine graue Hülse: an beiden Enden ein Bund, an einem Ende ein Schlitz. So eigenartig, dass sie mir hätte auffallen müssen.

Nahaufnahme einer grauen, hülsenförmigen Kunststoffbuchse mit Bund an beiden Enden und einem Schlitz.
ABB. 07Das gesuchte Teil. Rund drei Zentimeter, und zwischen Stangen, Pins und Verbindern trotzdem unverwechselbar — sobald man weiß, dass es sie gibt.

Ich habe zwei Sekunden gebraucht, um sie zu finden. Zwei Sekunden für ein Teil, an dem ich stundenlang vorbeigegriffen hatte.

Die Hülse liegt auch auf dem Foto weiter oben. Sie haben es vorhin schon angesehen.

Dasselbe Foto der Teilekiste noch einmal; auf Knopfdruck wird die Fundstelle hervorgehoben.
ABB. 08 — Dasselbe Foto wie oben, unverändert. Suchen Sie noch einmal, dann klicken.
Übertragung

Das ist nicht nur eine Anekdote über Spielzeug.

Auf der Startseite dieser Website steht seit dem ersten Tag: Ihr Problem hat eine Lösung. Ich finde sie. Der Satz stimmt. Er hat nur eine Voraussetzung, die ich nie ausgesprochen habe — dass Sie Ihr Problem bereits als Problem sehen.

Und das ist seltener, als man denkt. Nicht weil niemand welche hätte, sondern weil das, womit man sich eingerichtet hat, aufhört, wie ein Problem auszusehen. Die Vorrichtung, die seit zwei Jahren nur funktioniert, wenn man sie festhält. Der Arbeitsschritt, den ein Kollege macht, weil er ihn eben immer gemacht hat. Das Muster, das man Kunden nicht zeigt, weil es beim Vorführen jedes Mal klemmt. Der Ablauf, für den es eine Excel-Datei gibt, die nur einer versteht.

Das sind keine Probleme. Das ist der Karton. Man schaut jeden Tag hinein und sieht nichts, weil man nach nichts sucht.

Daran kann ich wenig ändern — außer dem, was die Anleitung meines Sohnes getan hat: das Teil zeigen. Genau dafür sind diese Fallstudien da. Nicht damit Sie sehen, was ich kann, sondern damit Sie an einem fremden Fall die Form wiedererkennen, die bei Ihnen im Weg liegt. Suchen kann man zu zweit — und wenn Sie nur den Verdacht haben, dass da etwas liegt, ohne es benennen zu können, ist das der beste Zeitpunkt für ein Gespräch, nicht der schlechteste.

Ergebnis

Was jetzt fährt.

Im täglichen Einsatz

Es fährt

Gas rechts, Bremse und Rückwärts links, Lenkung proportional am Stick. Vier Geschwindigkeitsstufen, Licht, Warnblinker, Ladestandsanzeige. Kein Telefon mehr im Raum nötig — die Kinder fahren allein.

Veröffentlicht

Es ist offen

Firmware, Smoketest und eine Protokollreferenz auf Byte-Ebene liegen unter MIT-Lizenz auf GitHub. Fünf Befunde darin korrigieren oder ergänzen den bisherigen Stand — jeder davon am Fahrzeug nachgemessen.

Wächst weiter

Es wird umgebaut

Zwei der sechs Lichtausgänge führen am Modell nirgendwohin. In der Firmware sind sie längst die seitlichen Blinker; die Lichtleiter dafür sind bestellt. Aus vier Lichtpunkten werden sechs — an einem Modell, das ab Werk nur vier vorsieht.

Bedienung
RTGas
LTBremse, dann rückwärts
Stick linksLenkung, proportional mit Expo-Kurve
STARTScharfschalten — nur bei losgelassenen Triggern
B · XboxNot-Aus, Feststellbremse
ALicht an / aus
XWarnblinker
Y haltenBoost bis zur eingestellten Grenze
LB · RBGeschwindigkeitsstufe 25 · 50 · 75 · 100 %
Stick rechtsLichtring — das Licht wandert ums Auto
SteuerkreuzBlinker, stellt sich selbst zurück
VIEWLadestand als Füllstand im Lichtring
Das fertig gebaute Fahrzeug von schräg oben neben der aufgeschlagenen Bauanleitung.
ABB. 09Wieder zusammen. Der Hub sitzt mittig im Fahrzeug und bleibt unverändert — die Brücke fasst ihn nur über Funk an.
Übertrag

Ein Spielzeug — und trotzdem der normale Arbeitsweg.

Der Gegenstand war ein Spielzeug. Alles drumherum war gewöhnlicher Arbeitsalltag: eine undokumentierte Schnittstelle, ein System, das man nicht verändern darf, ein Ausfall, der nach etwas anderem aussah, als er war — und als Terminplan genau die Abende, die übrig blieben.

Übertragbar ist nicht das Ergebnis, sondern das Vorgehen. Messen statt annehmen. Den Versuch bauen, der die Erklärungen trennt, statt Argumente zu sammeln. Wegnehmen, was doppelte Arbeit macht. Die Beobachtbarkeit herstellen, bevor man sie braucht. Und am Ende in die Hand nehmen, was man gebaut hat, weil manche Entscheidungen nur dort fallen.

Die Domäne war neu für mich, das Vorgehen nicht. Bei Ihnen ist der Gegenstand ein anderer — Mechanik, Hardware, Software oder alle drei zusammen. Die Schritte wären dieselben.

ESP32-C3 · Arduino
Bluetooth Low Energy (NimBLE)
LEGO Wireless Protocol 3.0.00
Protokollanalyse auf Byte-Ebene
Failsafe-Auslegung
Serielle Diagnose & Flash-Log
Bedienkonzept & Haptik
Git · GitHub · MIT
MIT

Firmware, Smoketest und die vollständigen Protokollnotizen: github.com/RomanJabo/brick-car-gamepad-bridge. Privat entstanden, ohne Auftraggeber, frei verwendbar — auch kommerziell.

Fotos: privat. LEGO® und Technic™ sind Marken der LEGO Gruppe, Xbox® ist eine Marke der Microsoft Corporation, Porsche® eine Marke der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG. Keines dieser Unternehmen unterstützt, autorisiert oder fördert dieses Projekt; die Namen stehen hier ausschließlich zur Bezeichnung der Produkte, mit denen die Brücke zusammenarbeitet.

Sie ahnen, dass da etwas
im Weg liegt?

Es muss noch kein fertig formuliertes Problem sein. Das Erstgespräch ist kostenlos und dauert 20 Minuten — danach wissen wir beide, ob eines da ist.

20 Minuten sprechen →